RHEIN-NECKAR SPEYER-REPORT PFALZ-REPORT

Bild: So wird sich dieser Bereich des Woogbachs nicht mehr lange präsentieren. Mit einem Förderprogramm des Landes Rheinland-Pfalz und der "Aktion Blau" soll das gesamte Woogbachtal in Speyer-West umgestaltet werden.

Foto: Bernhard Bumb

 

 

 

 

09.02.2012

 

 

 

 

Speyerer Woogbachtal wird aufgewertet

 

"Aktion Blau" finanziert bis zu 90 %

Stadtrat beschließt Renaturierung des Woogbachs

 

Speyer. - Das Woogbachtal wird sein Erscheinungsbild zwischen der Umgehungstraße (B9) und der Eisenbahnbrücke/Friedrich-Ebert-Straße positiv verändern. Mit 21 Ja-Stimmen (CDU, Grüne, ein Ratsmitglied der FDP und zwei Ratsmitglieder der BGS sowie der Vertreter der Republikaner) gegenüber 16 Ablehnungen (SPD, Speyerer Wählergruppe und der Vertreter der Linkspartei) und zwei Enthaltungen (ein Vertreter der FDP und der BGS) hat der Speyerer Stadtrat eine Renaturierungsmaßnahme des Woogbachtals beschlossen. In der Beschlussvorlage wurde nochmals auf die Chronologie des Prozesses zur Konzeptentwicklung mit umfangreicher Bürgerbeteiligung seit 2007 hingewiesen, ein Prozess, der seit Tagen bis heute intensiv diskutiert wurde.

 

Für diesen Bachabschnitt, der sich im Aktionsgebiet „Soziale Stadt Speyer-West“ befindet, wurden zweckgebundene Fördermittel des Landes Rheinland-Pfalz aus dem Programm „Aktion Blau“ in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro beantragt. Bei positivem Bescheid können die Kosten für die Woogbachtalgestaltung bis zu 90 Prozent aus Landesmitteln bezuschusst werden, heißt es in der Beschlussvorlage.

 

 

 

Mit diesem Vorhaben können folgende Zielsetzungen

erreicht werden:

 

1. Der Woogbach ist Schwerpunktgewässer zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie; die Renaturierung trägt zur Umsetzung dieser Richtlinie bei. Die Wasserqualität des Woogbachs muss – und auch dies soll mit der vom Rat beschlossenen Maßnahme erreicht werden – von der derzeitigen Qualitätseinstufung „mäßig“ die Marke „gut“ erreichen.

 

2. Die Bachaue wird aufgewertet, um den Erholungs- und Erlebniswert zu steigern, die Zugänglichkeit zum Wasser wird erleichtert. Das Orts- und Landschaftsbild im innerstädtischen Grünzug wird durch die naturnahe Gewässerentwicklung, begleitende Pflanzungen und eine Aufwertung der Grünanlagen verbessert.

 

3. Die Speyerer Woogbachaue ist im landesweiten Biotopverbundsystem von Bedeutung. Eine erhöhte Strukturvielfalt der Gewässermorphologie, breitere Gewässerrandstreifen durch Rückverlagerung der Wege und strukturreiche Ufer tragen dazu bei, die Biotopvernetzung vor allem für wassergebundene Tierarten zu verbessern.


 

Die Kosten werden mit diesen Zahlen angegeben

 

Renaturierungsmaßnahmen im Gebiet „Soziale Stadt“: 1.241.170 €, Planungskosten: 253.438 €. Beantragte Fördermittel aus „Aktion Blau“ (90 %): 1.345.147 €, Eigenanteil der Stadt Speyer: 149.461 €.

 

Die Gegner des Projektes im Stadtrat sehen das Geld besser auf anderen Gebieten angelegt, beispielsweise für Kindertagesstätten, Schulen und für soziale Einrichtungen, obwohl es zweckgebunden für die Umgestaltung des Woogbachtals verwendet werden muss.

-bb-

 

 

Anmerkung

Die Speyerer Wählergruppe (SWG) hat geschlossen ihrem Koalitionspartner CDU in Sachen Woogbachtal deutlich Paroli geboten. Die Zusammenarbeit von Union und Wählergruppe dürfte in die Brüche gehen. Ein klares Signal in Richtung CDU gaben die Grünen. Die CDU und die Grünen haben bezüglich des nicht unbedeutenden Projektes Woogbach gemeinsam Flagge gezeigt. Schon seit geraumer Zeit war ein Knistern in der Partnerschaft Union/SWG zu hören. Vielleicht will die Wählergruppe schon insgeheim ein "neues" Woogbachtal - man kann im Grundsatz gar nichts gegen das Projekt haben -, aber sie will sich vielleicht vom Koalitionspartner CDU so langsam verabschieden und hat deswegen gegen die Beschlussvorlage zur Renaturierung des Woogbachtals gestimmt und das Argument hinsichtlich der Finanzlage der öffentlichen Hand auf das Woogbachtalprojekt zu verzichten nur vorgeschoben.

Man bedenke, die Fraktion der SWG besteht aus Ratsmitgliedern, die das Unternehmertum, die berufliche Selbstständigkeit herausragend repräsentieren. Und denen muss doch klar sein, dass das "neue" Woogbachtal sich durchaus auch positiv auf die Wirtschaft in Speyer-West auswirken wird. Wo die Natur Freude macht, wo sich die Generationen wohl fühlen, wo es Spaß macht hinzugehen, da geben die Bürger auch - gerne - Geld aus. Es ist durchaus denkbar, dass die "Begegnungsstätte", die "grüne Lunge", die "Flaniermeile" Woogbachtal beispielsweise die Eröffnung gastronomischer Betriebe oder die Schaffung eines Kiosks mit Freisitzen zur Folge hat.

Und wenn man bedenkt, dass die Stadt hinsichtlich der Unterhaltskosten für den Woogbach mit dem Projekt günstiger davon kommt - darauf wurde hingewiesen -, dann kann man nicht gegen die Umgestaltung des Woogbachtals sein.

- Bernhard Bumb -